Coddiewomple oder: Wohin Du kommst, wenn Du gehst!

Was bitte bedeutet “Coddiewomple”? Ist das überhaupt ein Wort??

Die englische Sprache ist immer wieder eine Quelle für lustige Worte, mit denen man zunächst nichts anfangen kann. Von der Insel stammt auch das Kunstwort “Coddiewomple”, das seit einiger Zeit im Netz kursiert. Seine Bedeutung wird definiert als „to travel in a purposeful manner towards a vague destination“ – was so viel bedeutet wie: „zielgerichtet auf ein unbestimmtes Ziel hin reisen“. Klingt ziemlich nach einem Widerspruch, oder? Wie kann man zielgerichtet auf etwas Unbekanntes zu reisen?

Gerade im Moment ist vielen von uns wegen der Corona-Beschränkungen in den vergangenen Monaten die Angst vor Unbekanntem fast gleichgültig: „Hauptsache raus hier, los, egal wohin“.

Aber ist das nicht auch schon irgendwie  zielgerichtet? Für mich schon. Denn ich bin trotz aller Unsicherheit fest entschlossen, mich auf den Weg zu machen, aufzubrechen, obwohl ich das Ziel noch nicht kenne. Ich möchte Bewegung, keinen Stillstand. Und ich bin neugierig auf das, was mir unterwegs begegnet! Das ist für mich sehr “coddiewomple”!

Wohin ich wohl komme, wenn ich gehe?

 

 

 Wohin Du kommst, wenn Du gehst

Sich Ziele zu setzen ist wichtig! Und es ist auch wichtig, die eigenen Ziele irgendwann tatsächlich zu erreichen.

Geht es aber um Deine Weiterentwicklung, dann ist auch noch etwas anderes von Bedeutung: Die Entscheidung, überhaupt loszugehen, anzufangen, zu starten und dann zu schauen, wohin Du kommst, wenn Du gehst!

Du solltest Dich deshalb beim Losgehen nicht zu früh und zu sehr auf Dein gewünschtes Endergebnis fokussieren. Denn, wenn Du Dich darauf zu sehr fixierst, wächst die Gefahr, dass Du schon aufgibst, sobald Du merkst, dass Dein Ziel nicht so schnell zu erreichen ist wie erhofft. Das ist auch der Grund, warum wir so viele an Neujahr gefasste Vorsätze oft nicht wirklich lange durchziehen.

Auf den Weg der Selbstentwicklung machen

Das gilt auch für Deine persönliche Entwicklung. Nach Plan in einem festgelegten Zeitraum zu einem besseren Menschen zu werden und hinderliche Verhaltensmuster abzulegen, klappt meist nicht.

Schielen wir aber weniger auf das Endergebnis, sondern konzentrieren wir uns auf das Anfangen, das Losgehen, dann ist jeder Deiner Schritte auf dem Weg zu Deinem unbekannten Ziel bereits ein kleiner Erfolg. Lenke daher Deine Aufmerksamkeit weniger auf den Prozess, sondern auf das, was jetzt gerade vor Dir liegt. So lernst Du automatisch auch den Weg zum Ziel zu schätzen. So machen es übrigens auch die Pilger: ihnen geht es nicht nur darum anzukommen, sondern auch darum, auf dem Weg etwas über sich zu erfahren.

Die Frage nach dem “Warum”

Am Anfang Deines Weges zur Selbstentwicklung steht wahrscheinlich – wie bei vielen anderen Menschen – zunächst die Frage nach dem “Warum?”. Du wirst schnell feststellen müssen, dass Dir die Antworten auf diese Frage schnell ausgehen. Denn woher willst Du bereits vor Beginn Deiner Reise wissen, warum sich die Reise lohnt, wenn Du noch gar nicht losgegangen bist?

Deshalb können sich Warum-Fragen nach meiner Erfahrung schnell zu Bedenkenträger-Fragen entwickeln:  “Warum sollte ich? Ich weiß ja noch nicht mal, wohin es geht und ob ich ankomme.”

Wenn Du Dich aber auf Deinen Entschluss für das Losgehen konzentrierst, statt auf das erhoffte Ziel Deiner Entwicklungsreise, wirst Du schnell etwas über das “Weil” Deiner Entscheidung erfahren.

Finde Dein “Weil”!

Um auf Deiner Reise gut voranzukommen,  brauchst Du klare Weil-Antworten! Probiere es mal aus: “Warum sollte ich mich auf den Weg machen? Weil ich neugierig bin! Weil ich mich weiterentwickeln möchte. Weil ich entdecken möchte, was alles in mir steckt! Weil ich…”

Welche “Weil-Antwort” ist Deine?

Na, hast Du es bemerkt? Genau in dieser “Weil-Antwort” verbirgt sich Dein persönlicher guter Grund, überhaupt  loszugehen. Dadurch bekommt Deine Entwicklungsreise eine klare Richtung. Auch, wenn das Ziel noch etwas verschwommen ist!

 

Erkenne das “Wie”!

Und wie willst Du nun vorgehen? Nur zu gern hättest Du vor Deinem Reiseantritt bereits alle Antworten auf Deine “Wie- Fragen, richtig? Schließlich möchtest Du ja gut vorbereitet starten und am liebsten ganz genau wissen, wie Deine Reise verlaufen wird und was alles passieren kann. Du wirst Dich allerdings darauf einstellen müssen, dass Du Deine “Wie-Fragen” erst nach und nach im Verlauf  Deiner Reise beantworten können wirst. Du willst wissen, wie Du am besten vorankommst? Wie Du mit steinigen Wegstrecken klarkommst? Wie Du Hürden nimmst? Die Antworten zeigen sich unterwegs.

Im “Wie” liegen jede Menge Erkenntnisse. Im Verlauf Deiner Reise wirst Du besser erkennen können, wie Du Dich selbst siehst. Wie Du neue Fähigkeiten erlernen oder ungeliebte Gewohnheiten ablegen kannst. Du wirst lernen, wie Du Dich mental stärken kannst und für Dich mehr positive Energie schöpfen kannst. Vielleicht kristallisiert sich auch heraus, welche Ziele Du wirklich verfolgen willst und wie Du sie auf Deine eigene, ganz persönliche Art erreichen kannst.

Die Erkenntnisse des “Wie?” vermittelt Dir Dein Tun, Dein Erleben und Dein persönliches Erfahren.

Verwandele das “Was”!

Eine Frage kann Dir auf Deiner Reise manchmal im Wege stehen: Die Frage nach dem “Was?”: “Was mache ich eigentlich hier?”, “Was soll das denn bringen?”, “Was habe ich davon?”, “Was mache ich damit?”

Jede Reise kennt solche Phasen und Frustmomente. Besonders dann, wenn man mit dem Wetter unzufrieden ist. Oder sich erschöpft und abgekämpft fühlt. Oder der Ausflug ganz anders läuft als vorgestellt.

In solchen Momenten solltest Du Dein “Was?” verwandeln. Klingt abstrakt, ist aber ganz einfach:

Verwandle Deine “Was-Fragen” in positive Energie, indem Du “Was-Fragen” formulierst, die entdecken statt kritisieren und staunen statt klagen wollen: “Was ist das denn? Das ist ja spannend. Was sehe ich da eigentlich genau? Was habe ich denn da entdeckt? Was fühle ich dabei genau? Und was macht mich daran eigentlich glücklich?”

“Was-Fragen” können uns helfen, mehr Wissen und Klarheit zu gewinnen: “Was brauche ich jetzt, damit ich auf meinem Weg besser vorankomme? Was kann mir helfen, wenn ich nicht weiter weiß?”

Deine “Was-Fragen” sollten also nicht für Klagen, sondern für Fragen verwendet werden! Fragen, die reflektieren wollen und Erkenntnis suchen: “Was hat mich hierher gebracht? Was habe ich auf dem Weg erlebt? Was habe ich bei dieser Reiseetappe erkannt? Und was habe ich dabei über mich gelernt?”

Erlebe ein neues “Wozu”!

Nach einer Weile wirst Du ganz sicher auch erste Antworten auf das “Wozu” Deiner Reise erhalten. “Wozu mache ich das hier? Wozu sollen diese Erfahrungen gut sein?” Der eigentliche Zweck und Nutzen Deiner Reise wird mit der Zeit immer klarer. Insbesondere dann, wenn Du Deine Antworten auf die “Was-Fragen” verinnerlicht hast.

Deine Antworten auf das “Wozu” enthalten das Geheimnis des wahren Zwecks Deiner Reise, den Sinn Deines Weges. In diesen Antworten steckt Dein wahres Ziel!

Finde zu Dir selbst!

Bevor Du es so richtig bemerkt hast, bist Du auf diesem Weg immer wieder zu Dir selbst gekommen. Unabhängig davon, ob das angestrebte Ziel bereits erreicht ist oder nicht. Das ist es, was Konfuzius gemeint hat, als er sagte: “Der Weg ist das Ziel!”

Es bedeutet, dass Deine individuellen Erfahrungen und persönlichen Erkenntnisse auf dem Weg die eigentlichen Ziele Deiner Reise sind.

Es bedeutet, dass Deine Antworten auf das “Weil”, das “Was” und das “Wozu” gemeinsam Dein wertvoller Ergebnis-Schatz sind. Und das heißt auch, dass das Ziel nicht erst am Ende eines Prozesses liegen muss, sondern sich immer wieder während Deines Weges zeigt.

Das Großartige daran ist: Diese Reisen sind nie zu Ende. Du wirst immer wieder Neues in und um uns herum entdecken, wenn Du Augen und Sinne offen hältst.

Bleib neugierig auf das Leben und interessiert an Dir selbst!

“Wohin wir auch gehen, wir gehen immer nach Hause”

Hermann Hesse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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